Wikinger erobern das Fehn

Weltweit erste Lesung von „Wickie auf großer Fahrt“ im Fehntjer Forum.

 

In ganz Deutschland startete gestern das gleichnamige Abenteuer als Film in den Kinos. Den Roman dazu hat Thilo Lassak geschrieben, und er stellte ihn in Westrhauderfehn vor.

VON OLE CORDSEN

 

WESTRHAUDERFEHN - Wo rülpsende Raufbolde durch die See pflügen, wagt das Wasser nicht zu plätschern. Eine Horde wilder Wikinger, groß und stark wie Nashörner, mit Zottelbärten, zerbeulten Helmen, abenteuerlichen Waffen, an deren Schiffsbug eine Galionsfigur – ein Drache – prangt, die

Raffzähne hat, so riesig wie Brotmesser. Wie witzig es sein kann, wenn solche raubenden und plündernden Kerle auch tollpatschig sind und liebenswerte Macken zeigen, davon handeln die Geschichten von „Wickie“ und den starken Männern. In den 70ern schon als Zeichentrickserie erfolgreich, kam unter der Regie von „Bully“ Herbig vor zwei Jahren der erste Kinofilm mit einem neuen Abenteuer und lockte ein Millionenpublikum in die Säle. Auch der Roman zum Film, den der Kinderbuchautor Thilo Lassak schrieb, wurde ein Bestseller. Gestern nun gab es in Westrhauderfehn eine Weltpremiere: die erste öffentliche Lesung des neuesten Abenteuers der rumpeligen Wikingerbande, „Wickie auf großer Fahrt“. Der Film startete bundesweit gestern in den Kinos, den Roman dazu hat wiederum Thilo Lassak geschrieben – und der Fehn- Stiftung war der Coup gelungen, ihn direkt zum Kinostart ins Fehntjer Forum zu lotsen, wo er erstmals öffentlich Teile der spannenden Geschichte vorgelesen hat – vor Rhauderfehner und Ostrhauderfehner Grundschülern und einigen Schülern der Lebenshilfe Leer. Heute tritt er dort noch ein weiteres Mal auf. Für die Kinder wurde es gestern ein atemberaubendes Erlebnis. Gebannt hingen sie an den Lippen des Autors, als er den Anfang von Wickies neuem Abenteuer erzählte. Davon, wie der kleine Hänfling mit dem karottenroten Haar auf dem neuesten Raubzug der Bande seines Vaters finstere Ritter beklauen soll, indem er sich den Schlüssel für die größte Schatztruhe erschleicht. Gleich mehrere Probleme gibt‘s dabei: Der schlaue, schmächtige Wikingerjunge wird beim Schlüsselklau erwischt und gekidnappt – was seine wild im Prügeln begriffenen Kumpane viel zu spät merken. Zudem war der schreckliche Sven schon vor ihnen da und hat alle Reichtümer bereits hinweggerafft. Wickie gelingt zwar die Flucht, doch das Übel setzt sich fort: Zurück in der Heimat betrinkt sich die Meute mit Met – der aber vergiftet ist. Klammheimlich wird Halvar, Wickies Vater entführt. Der kleine Knirps – eigentlich „Schissbüx“ – ist gezwungen, seine Angst abzuschütteln wie ein großer Wikinger Flöhe aus dem Bart, und er muss seinen Papa auf der Kommandobrücke ersetzen, als die Horde aufbricht, um ihren Anführer zu befreien. All dies hängt auf spannende Weise auch noch mit einem Schatz zusammen, der im ewigen Eis des Nordpols versteckt und noch nicht gehoben worden ist. Womöglich hat der schreckliche Sven auch hier die Finger im Spiel. Lassak erweckte die Geschichte beim Lesen plastisch zum Leben, grollte und gurgelte, raunte und polterte. Mit lebhafter Gestik und Mimikuntermalte er das Geschehen, schwang Fäuste durch die Luft, kullerte mit den Augen, gab sich selbst imaginäre Schwerthiebe auf die Glatze. Zudem erzählte er den Kindern, wie ein Drehbuch und ein Kinderbuch entstehen, wie er selbst schreibt, wie es ist, auf einer Kino-Premiere zu sein und die Schauspieler plötzlich ohne Verkleidung zu sehen und zu treffen. Und er zeigte auch sein eigenes Wickie-Buch, in das ihm der Hauptdarsteller, Jonas Hämmerle, ein Autogramm gegeben hat. Am Ende beantwortete Lassak auch noch Kinder-Fragen und bekam prasselnden Applaus.

 

Quelle: General-Anzeiger vom 30. September 2011.

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